Bartholomäus Nasser, Kupferstich
Thema 07 / 08 — Hamburg & Straßburg

Hamburg&Straßburg

Therese Albertz steht für die Hamburger Vorfahren — zwei Bürgermeister der Hansestadt — und für Bartholomäus Nasser, einen der ersten protestantischen Pfarrer im Straßburger Münster.

Kapitel 01 — Bürgermeister 1478Johann Huge

Johann Huge war Bürgermeister von Hamburg.

  • 1457 Flandernfahrer
  • 1462 Schaffer der Flandernfahrer-Gesellschaft
  • Wandschneider 1461–1467
  • 1473–1477 Landherr von Hamm und Horn
  • 1466–1470 Vorsteher des St.-Georgs-Hospitals
  • 1472–1476; Werkzollherr 1467–1469
  • Münzherr 1469–1471
  • Gerichtsherr 1470
  • Kämmereiherr 1471, 1473–1476, 1478
  • Schoßherr 1472, 1477
  • Morgensprachherr der Wandscheerer 1473
  • Verwalter des Eimbecker Hauses 1477
  • Akzise- und Weddeherr 1477
  • Siegelherr 1477
  • Bürgermeister 1478
  • Apothekenherr 1484, 1485, 1487

Huge war zeitweise Amtmann auf der von 1465 bis 1484 im Pfandbesitz Hamburgs befindlichen Steinburg. 1480 Vertreter des Hamburger Rates beim Abschluss des Vergleichs mit dem Domkapitel, 1485 entschied er den Streit zwischen dem Domkapitel und dem Johannis-Kloster. 1499 wurde Huge mit Hermann Langenbeck zusammen vom Hamburger Domkapitel in den Bann getan, worüber sich Rat und Bürgerschaft lebhaft beschwerten. 1479 nach Lübeck zur Versammlung der wendischen Städte, ebenda 1480 wegen ihres Streites mit den Holländern und wegen Seeräubereien. Im selben Jahre Abgesandter Hamburgs in Rendsburg, zu den von Christian I. von Dänemark einberufenen Landtagen, auf welchen der König vergeblich von den Dithmarschern die Anerkennung seiner Rechte forderte.

Nacheinander zum König nach Haseldorf, nach Itzehoe und von dort nach Uetersen zur dänischen Königin, sowie zum Bischof von Lübeck und nochmals nach Rendsburg geschickt.

1464 erwarb Huge das Grundstück Ness (Petri A, 11). 1480 wurde ihm gemeinschaftlich mit seinem Schwager Meine vom Berge das Grundstück seines Schwiegervaters Peter vom Berge, Catharinenstraße (Cath. A. 154), zugeschrieben, das er 1484 allein übernahm.

English

Johann Huge was mayor of Hamburg. (List of offices and literature: see above.)

Huge was temporarily bailiff at the Steinburg, which was a pledged property of Hamburg from 1465 to 1484. In 1480 he represented the Hamburg Council at the conclusion of the settlement with the cathedral chapter, in 1485 he decided the dispute between the cathedral chapter and the Johannis monastery. In 1499, Huge and Hermann Langenbeck were placed under the ban of the Hamburg Cathedral Chapter, which the council and the citizens complained about vividly. In 1479, Huge went to Lübeck for the assembly of the Wendish towns, in 1480 because of their dispute with the Dutch and because of piracy. In the same year, Hamburg’s envoy in Rendsburg, to the provincial assemblies convened by Christian I of Denmark, at which the king demanded in vain that the Dithmarschen recognize his rights.

One after the other sent to the King to Haseldorf, to Itzehoe and from there to Uetersen to the Danish Queen, as well as to the Bishop of Lübeck and again to Rendsburg.

In 1464 Huge acquired the property Ness (Petri A, 11). In 1480, together with his brother-in-law Meine vom Berge, he was assigned the property of his father-in-law Peter vom Berge, Catharinenstraße (Cath. A. 154), which he took over alone in 1484.

Kapitel 02 — 1531 bis 1537Paul Grote

Paul Grote war Bürgermeister von Hamburg von 1531 bis 1537. Auch sein gleichnamiger Sohn war Bürgermeister der Hansestadt von 1580 bis 1584.

Kapitel 03 — 1560 bis 1614Nasser

Kupferstich: Bartholomäus Nasser, Theologus Argentoratensis
Bartholomäus NasserTheologe in Straßburg, Kupferstich.

Bartholomäus Nasser war ein Theologieprofessor und einer der ersten evangelischen Pfarrer im Straßburger Münster. Er wurde 1560 in Straßburg als Sohn des Nikolaus Nasser, Steinmetz, geboren.

Er war Pfarrer in St. Thomas in Straßburg von 1593 bis 1614 und seit 1590 Prediger im Straßburger Münster. Ab 1595 war er Professor für evangelische Theologie. Von ihm sind drei Werke, jeweils Predigtsammlungen, überliefert.

Von 1582 bis 1585 war er Pfarrer in Oberschäffolsheim. 1565 und 1566 war er auf Studienreise in diversen Universitäten. 1586 bis 1587 war er Pfarrer in Kehl, von 1587 bis 1590 Pfarrer in Dorlisheim. Von 1590 bis 1593 war er zweiter Vikar am Straßburger Münster. Von 1593 bis 1614 war er Pfarrer in der Thomaskirche in Straßburg.

Die Thomaskirche

Die lutherische Thomaskirche (Église Saint-Thomas) ist eine der kulturgeschichtlich und architektonisch bedeutendsten Kirchen Straßburgs. Seitdem das Straßburger Münster 1681 nach der Besetzung Straßburgs durch die Franzosen im Rahmen der Reunionspolitik König Ludwigs XIV. den Katholiken zurückgegeben werden musste, ist die Thomaskirche die lutherische Hauptkirche der gesamten Region, der Protestantischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses von Elsass und Lothringen. Die Kirche ist auch für ihre Orgel von Johann Andreas Silbermann aus dem Jahr 1741 berühmt. 1524 wurde die Kirche dem lutherischen Glauben zugewiesen (Martin Bucer diente hier von 1531 bis 1551 als Pastor; Nasser folgte ihm 42 Jahre später), diesen Status konnte sie trotz der Annexion des Elsass durch das katholische Frankreich behaupten.

Reformation in Straßburg

Straßburg wurde als eine der ersten Städte im Reich protestantisch. Prediger wie der Messpriester des Münsters, Matthias Zell (1477–1548), begeisterten die Menschen für die neue Lehre Luthers. Buchdrucker verbreiteten evangelische Abhandlungen und Streitschriften. Theologen, allen voran Martin Bucer (1491–1551), trugen die Reformation in die Stadtbürgerschaft hinein und sorgten für ihre Verbreitung im süddeutschen Raum.

Der neue evangelische Glaube führte auch dazu, dass das heute 1000 Jahre alte Straßburger Münster für mehr als 150 Jahre evangelisch war – von 1524 bis 1681. Mit der Abschaffung der katholischen Messe wurden damals Gemälde, Statuen, Reliquien, Kruzifixe und geweihte Kultobjekte aus den Kirchen geholt und teilweise zerstört. 1539 wurde im Münster der erste urkundlich belegte Weihnachtsbaum der Welt aufgestellt.

Abgesehen von diesem Bildersturm entwickelte sich in Straßburg eine vermittelnde, gemäßigte Form der Reformation. Im Streit der beiden Reformatoren Martin Luther und Ulrich Zwingli über die Bedeutung des Abendmahls gingen die Straßburger Protestanten einen Mittelweg. Gemeinsam mit den Städten Konstanz, Lindau und Memmingen formulierten sie ein eigenes Glaubensbekenntnis, die „Confessio Tetrapolitana“, und erstellten 1534 eine eigene Kirchenordnung.

Auch für verfolgte Protestanten aus ganz Europa war Straßburg ein Zufluchtsort. Glaubensflüchtlinge aus Frankreich wie der Reformator Johannes Calvin wurden ebenso aufgenommen wie Vertreter radikaler evangelischer Bewegungen wie die der Täufer. Die Straßburger Protestanten selbst wandten sich 1577 der lutherischen Glaubenslehre zu.

Der Sohn

Der Sohn von Bartholomäus gleichen Namens stellt sich im Rahmen des Dreißigjährigen Krieges in den Dienst von Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf, Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf. Der Sohn wird 1636 Hauptmann und 1638 Kommandant des Schlosses Gottorf. 1636 ist er dotiert mit einem privilegierten Hof in Bustorf bei Schleswig.

Sanduhrtafel von Prof. Bartholomäus Nasser
SanduhrtafelVorfahren und Nachfahren von Prof. Bartholomäus Nasser.

English

Bartholomäus Nasser was a professor of theology and one of the first Protestant pastors in Strasbourg Cathedral. He was born in Strasbourg in 1560 as the son of Nikolaus Nasser, stonemason.

He was pastor in St. Thomas in Strasbourg from 1593 to 1614 and since 1590 preacher in the Strasbourg cathedral. From 1595 he was professor of Protestant theology. Three of his works, sermon collections, have been handed down.

From 1582 to 1585 he was a pastor in Oberschäffolsheim. In 1565 and 1566 he was on study trips to various universities. From 1586 to 1587 he was parish priest in Kehl, and from 1587 to 1590 parish priest in Dorlisheim. From 1590 to 1593 he was second vicar at the Strasbourg cathedral. From 1593 to 1614, he was pastor at the Thomaskirche in Strasbourg.

The Lutheran Thomas Church (Église Saint-Thomas) is one of the most important churches in Strasbourg in terms of cultural history and architecture. Since the Strasbourg Cathedral had to be returned to the Catholics in 1681 after the occupation of Strasbourg by the French as part of the reunion policy of King Louis XIV, St. Thomas’ Church has been the main Lutheran church of the entire region, the Protestant Church of the Augsburg Confession of Alsace and Lorraine. The church is also famous for its organ built by Johann Andreas Silbermann in 1741. In 1524 the church was assigned to the Lutheran faith (Martin Bucer served here as pastor from 1531 to 1551; Nasser followed him 42 years later), a status it was able to maintain despite the annexation of Alsace by Catholic France.

Strasbourg was one of the first cities in the empire to become Protestant. Preachers such as the Minster’s mass priest, Matthias Zell (1477–1548), enthused the people for Luther’s new teaching. Book printers distributed Protestant treatises and pamphlets. Theologians, above all Martin Bucer (1491–1551), carried the Reformation into the city’s citizenship and ensured its dissemination in southern Germany.

The new Protestant faith also meant that the Strasbourg Cathedral, which is now 1000 years old, was Protestant for more than 150 years – from 1524 to 1681. With the abolition of the Catholic Mass, paintings, statues, relics, crucifixes and consecrated cult objects were taken out of the churches at that time and partially destroyed. In 1539 the first documented Christmas tree in the world was put up in the cathedral.

Apart from this iconoclasm, a mediating, moderate form of the Reformation developed in Strasbourg. In the dispute between the two reformers Martin Luther and Ulrich Zwingli over the meaning of the Lord’s Supper, the Strasbourg Protestants took a middle course. Together with the cities of Konstanz, Lindau and Memmingen, they formulated their own creed, the “Confessio Tetrapolitana”, and in 1534 created their own church order.

Strasbourg was also a place of refuge for persecuted Protestants from all over Europe. Refugees from France, such as the reformer John Calvin, were accepted, as were representatives of radical Protestant movements such as the Anabaptists. The Strasbourg Protestants themselves turned to the Lutheran doctrine in 1577.

The son of Bartholomäus of the same name placed himself in the service of Friedrich III of Schleswig-Holstein-Gottorf, Duke of Schleswig-Holstein-Gottorf, during the Thirty Years’ War. In 1636 the son becomes captain and in 1638 commander of Gottorf Castle. In 1636 he is endowed with a privileged court in Bustorf near Schleswig.